1.
April

Gold, Widerstand und Morddrohungen

Nachdem sie Geschichten von gelben Flüssen und Wasser das krank macht, gehört hatte, wurde sie aktiv. Isabel Gámez 30 jahre alt, Radio Journalistin in El Salvador fängt an, zu recherchieren. Schnell wird ihr klar: die Berichte von dem giftigen Wasser haben etwas mit dem Goldabbau in der Region Cabanas im Norden des Landes zu tun. Es sind die Zyanide, die vom us-amerikanisch / kanadische Konzern Pacific Rim auf der Suche nach dem Edelmetall eingesetzt werden, die die Menschen krank machen. Die giftigen Abwasser gelangen in die Flüsse und von dort in die Nahrungskette.

Der Konzern muss keine Umweltauflagen einhalten und macht enorme Profite in El Salvador. Auf der Strecke bleiben Mensch und Natur.

Nachdem Isabel zusammen mit ihren Kollegen den Missstand aufgedeckt hat und in ihrem kleinen Lokalradio erste Berichte zum Thema laufen, kommt es zu Demonstrationen. Die Menschen sind empört und wehren sich gegen Pacific Rim. Vier Jahre später stoppt die el salvadorianische Regierung aufgrund der Proteste den Goldabbau mit Zyanid. Damit ändert sich Isabells Leben. Die Widerstandsbewegung sieht sich einer Welle der Gewalt ausgesetzt. Sechs Menschen werden getötet. Isabell bekommt Morddrohungen. Sie verlässt zusammen mit ihrem Sohn das Land.

Ein Interview mit Isabell kannst du auf GreenAction nachlesen und auf Soundcloud in das Interview reinhören.

14.
März

10 Gründe, Indonesiens Wälder zu schützen

Orang Utan Babies in der Orangutan Foundation International Care Center in Pangkalan Bun, Central Kalimantan.

Es gibt unzählige Gründe, die indonesischen Regenwälder zu bewahren – einige davon sind im im Folgenden zusammengestellt:

1. Wälder sind die Lungen der Erde und unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Kurzum: Unser Überleben auf diesem Planeten hängt vom Wald ab. Niemand hat das Recht, sie zu zerstören – schon gar nicht für den kurzfristigen wirtschaftlichen Profit.

2. Zwei Drittel aller Landlebewesen sind im Wald zuhause und auf ihn als Lebensraum angewiesen.

3. Wenn der Wald den Tigern keinen Lebensraum mehr bietet, ist das Überleben des Waldes selbst sowie das seiner vielen anderen tierischen Bewohner in Gefahr. Denn Tiger sind eine Zeigerart, das bedeutet sie gelten als Gradmesser für den Gesundheitszustand des Waldes. Es wird angenommen, dass nur noch etwa 400 Sumatra-Tiger in freier Wildbahn durch die Wälder Sumatras streifen. Derzeit stehen die Sumatra-Tiger auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN und werden als „vom Aussterben bedroht“ eingeordnet – die letzte Stufe vor „In freier Wildbahn ausgestorben“. Ihr Lebensraum verschwindet in erschreckender Geschwindigkeit– jährlich eine Viertelmillion Hektar. Die Ausbreitung von Ölpalmplantagen und Plantagen für die Papierindustrie war zwischen 2009 und 2011 für fast zwei Drittel der Zerstörung von Tigerhabitat verantwortlich.

4. Entwaldung erhöht das Konfliktpotential zwischen Tigern und Menschen und macht die Tiger anfälliger für Wilderei. Zwischen 1998 und 2011 wurden 638 Mensch-Tiger-Konflikte in Sumatra erfasst. Dabei töteten Tiger 72 Menschen und verwundeten 63 weitere. Diese Konflikte wiederum führten zum Tod von 59 Tigern.

5. Indonesiens Wälder bieten neben dem Tiger auch anderen gefährdeten Arten ein Zuhause, so zum Beispiel dem Borneo-Zwerg-Elefanten, der kleinsten Elefantenart Asiens und einer der weltweit am wenigsten erforschten.

6. Der Lebensraum des Baum-Kängurus schwindet rapide. Es ist auf Bäumen sehr wendig und kann fast 10 Meter weit von einem Baum zum anderen springen. Diese einzelgängerischen Lebewesen leben in den Regenwäldern Indonesiens, Papua-Neuguineas und Australiens.

7. In zehn bis zwanzig Jahren könnten sowohl der Sumatra- als auch der Borneo-Orang-Utan in freier Wildbahn ausgestorben sein. „Orangutan“ bedeutet aus dem Malaiischen übersetzt „Waldmensch“. Diese Primaten teilen über 97 Prozent ihrer DNA mit uns Menschen! Mit einer enormen Armspanne – ein Männchen kann seine Arme gute zwei Meter von Fingerspitze zu Fingerspitze ausstrecken – ist diese Art hervorragend an das Leben in den Baumkronen angepasst, in denen sie auch den Großteil ihres Lebens verbringen. Dies macht sie sehr anfällig für die Folgen der Regenwaldzerstörung.

8. Ein großer Anteil des Waldes in Indonesien wächst auf Torfböden, den weltweit größten Kohlenstoffspeichern. Diese Torfböden werden entwässert, um gute Anbaubedingungen für Ölpalmen zu erzeugen. Die Entwässerung verursacht signifikante Kohlenstoffemissionen und heizt den Klimawandel an – Indonesien gilt als einer der weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Die Provinz Riau auf Sumatra ist dabei die größte „CO2-Vorratskammer“ und enthält nach Schätzungen 40 Prozent des gesamten Kohlenstoffs, der in den indonesischen Torfböden gespeichert ist. Die dort gelagerten Mengen entsprechen mehr als dem jährlichen Treibhausgasausstoß weltweit.

9. Der Tesso Nilo Nationalpark auf Sumatra ist hinsichtlich seiner Pflanzenwelt eins der artenreichsten, vielfältigsten Waldgebiete auf der Erde. Unser Report „Lizenz zum Töten“ zeigt jedoch, wie seit dem Jahr 2011 massive, illegale Rodung im Nationalpark – hauptsächlich für die Anlage von Palmölplantagen – fast die Hälfte des dort noch bestehenden Regenwaldes zerstört hat. Im Juni 2013 waren nur noch 39.000 Hektar Regenwald erhalten, also kaum ein Viertel des ursprünglichen Areals des Waldkomplexes.

10. Der Verbraucher soll sich nicht an der Waldzerstörung mitschuldig fühlen, wenn er beispielsweise Kekse isst oder Rasierprodukte benutzt. Deshalb müssen Hersteller dafür sorgen, dass ihre Produkte, die Palmöl enthalten, nicht in Verbindung mit Regenwald-Zerstörung stehen. Greenpeace bezweifelt nicht, dass Palmöl durchaus Nutzen und Vorteile birgt, wenn es wirklich nachhaltig angebaut wurde.

Besucht auch die Kampagne “Raubbau für Palmöl” auf GreenAction.

6.
März

Baukasten für die Planung von Klimakampagnen

Im Rahmen eines Projektes entwickelten die TU Berlin und die Fachhochschule Bielefeld den sogenannten Klima-Kampagnen-Baukasten. Er unterstützt Menschen die eine Kampagne zum Thema klimabewusster Konsum, nachhaltige Mobilität oder Energiesparen im Haushalt planen. Er bietet Anregungen, Informationen oder Hilfestellungen, damit Kampagnen mit möglichst großem Erfolg durchgeführt werden können.

Die beiden Hauptwerkzeuge sind:

  • Ein interaktiver Teil, der euch dabei unterstützt, Schritt für Schritt eure Kampagne zu planen.
  • Hintergrundmaterial zu bereits durchgeführten Kampagnen in diesem Themenfeld, verschiedenen Ansätzen und Erfahrungen, welche Strategien der Verbraucheransprache sich als besonders wirksam erwiesen haben.

Damit können Kampagnen erfolgreich gestaltet und Schritt für Schritt zum Erfolg geführt werden!

Das entwickelte Toolkit (Baukasten) leitet euch durch die einzelnen Schritte der Planung einer Kampagne:

  • Ihr werdet dazu motiviert, euch über eure Zielsetzungen klar zu werden und in welchem Zeitraum du diese Ziele erreichen willst.
  • Ihr beschäftigt euch genauer mit der Zielgruppe, die ihr erreichen wollt.
  • Ihr setzt euch damit auseinander, auf welche Ressourcen – Erfahrung, (Wo)Manpower und Finanzen – ihr für die Planung und Durchführung Eurer Kampagne zurückgreifen könnt.
  • Ihr plant die einzelnen Arbeitsschritte und die Bestandteile der Kampagne genauer.
  • Ihr überlegt euch, inwieweit und in welcher Form ihr den Erfolg eurer Kampagne beobachten und „messen“ wollt.

Zudem könnt ihr Zwischenergebnisse speichern. Das ermöglicht es euch, die Planung über einen längeren Zeitraum zu konkretisieren. Die Bestimmung der Ziele und Zielgruppen ist bereits zu Beginn wichtig, andere Planungsschritte werden erst zu einem späteren Zeitpunkt wichtig. Das Toolkit hilft euch zu erkennen welche Punkte ihr für eine gute Planung berücksichtigen solltet, damit ihr im weiteren Verlauf der Kampagne nicht von Unvorhergesehenem überrascht werdet. Und jetzt viel Erfolg für eure Kampagnen.

28.
Februar

Raubbau für Palmöl

Sumatra-Tiger im Zoo von Melburn/Australien.

Indonesiens Regenwälder sind in Gefahr! Für die Produktion von Palmöl, das in einer Vielzahl von Haushalts- und Hygieneprodukten verwendet wird, werden riesige Regenwaldgebiete zerstört und der Klimawandel angeheizt.

Sumatra-Tiger in Gefahr

Sumatra-Tiger, Nebelparder und Orang-Utan – Heimat dieser und anderer Tierarten ist der indonesische Regenwald, drittgrößter tropischer Regenwald nach dem Amazonas und dem Kongo-Becken. Doch die industrielle Produktion von Palmöl und Zellstoff droht, diese einzigartige Artenvielfalt zu vernichten.

Für Tiere und Klima

Wer glaubt, dass sich einfach um ein paar Tier- und Pflanzenarten mehr oder weniger handelt, deren Verlust vielleicht niemand außer ein paar besonders interessierten Forschern bemerken, der irrt. Bei der biologischen Vielfalt handelt sich um nichts weniger als die Grundlage für unsere menschliche Existenz auf diesem Planeten.

Und nicht nur für den Erhalt der Artenvielfalt müssen wir diese Wälder erhalten – sie sind als natürliche Kohlenstoff-Speicher auch unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Dabei spielen Indonesiens Torfwälder eine besondere Rolle, denn sie speichern – in zehntausenden Jahren gewachsen – bedeutend mehr Kohlenstoff als andere Wälder.

Wenn du mehr wissen willst, besuche die Kampagne “Raubbau für Palmöl” auf GreenAction.

10.
Februar

Achtung Urheberrecht!

Drachensee in Sumatra.

Drachensee in Sumatra.

“Bilderklau” im Internet ist kein Kavaliersdelikt. Das hat jetzt nochmal das Landgericht in Köln entschieden. Dabei hatte ein Nutzer Fotos eines Fotografen im Internet genutzt und den Namen des Rechteeigentümers nicht genannt bzw. auf dem Bild vermerkt. Begründet hatte der Nutzer die fehlenden Daten damit, dass ihm die technischen Möglichkeiten fehlten, den Namen des Fotojournalisten in das Bild einzufügen. Diese Argumentation erkannte das Gericht NICHT an.

Dumm ist allerdings, dass viele soziale Netzwerke beim Up- und vor allem bei Download von Fotos alle eingebetteten Informationen aus Bildern automatisch entfernen. Besonders für Fotografen ist das ärgerlich, da sie mit ihren Fotos ihren Lebensunterhalt verdienen. Deshalb geben sie den Fotos sogenannte Metadaten mit, über die geklärt werden kann, wer der Rechteinhaber eines Bildes ist. Auch auf Bildplattformen wie pixelio.de und fotolia.de, wo Fotografen kostenlos Bilder zur Verfügung stellen, muss bei der Verwendung eines Bildes der Urheber namentlich genannt werden!

Die Arbeitsgruppe Photo Data des International Press Telecommunication Council hat kürzlich 15 Plattformen unter die Lupe genommen. Sie wollten herauskommen inwieweit Up- und Download im Sozialen Netz die eingebetteten Metadaten beeinflussen. Dabei kam heraus, dass Facebook, Twitter und Flickr die eindeutigen Spitzenreiter beim Löschen von Daten sind. Diese drei Netzwerke entfernten neben urheberrechtliche Informationen beim Download auch vollständig Urhebernamen und Bildbeschreibungen.

Bei der Nutzung von Fotos auf deiner Webseite oder deinem Facebook-Account also immer schön vorsichtig sein. Insbesondere weil es Anwaltskanzleien gibt, die sich darauf spezialisiert haben, Urheberechtsverletzungen nachzuweisen und den Nutzer dafür zur Kasse zu bitten. Mit Anwaltskosten und Fotografenhonorar können da schnell mal 1000 Euro zusammen kommen.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Für die Fotobearbeitung braucht ihr euch keine entsprechende Software zu kaufen. Denn GIMP (GNU Image Manipulation Program) ist eine gute kostenlose Alternative zu Photoshop von Adobe und kommt mit zahlreichen professionellen Bearbeitungsfunktionen für Bilder und Fotos daher.

27.
Januar

Public Eye Award: Schmähpreis geht an Gazprom & GAP

Sieger des Schmähpreises Public Eye Award: Gazprom & GAP

Der Preis “Public Eye Award” geht dieses Jahr an den russischen Gasriesen Gazprom und den US-Textilgiganten Gap. Ein Preis, den niemand haben möchte: Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern (EvB) zeichnen damit jährlich Unternehmen aus, die ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Umweltsünden, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen an den Tag legen. Der Schmähpreis wurde am Rande des World Economic Forums (WEF) in Davos vom Greenpeace International- Direktor Kumi Naidoo verliehen.

Mit 280.000 Stimmen, die seit November 2013 über das Online-Voting abgegeben wurden, erhält Gazprom den Publikumspreis. Der Gasriese hatte als erstes Unternehmen der Welt im Vorjahr damit begonnen, in der Arktis Öl zu fördern. Er verstoß damit gegen gesetzliche Vorschriften im Bereich Sicherheit und Umwelt und ist für zahlreiche Öllecks verantwortlich. Seine Ölplattform weist mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen auf. Gazprom wäre nicht in der Lage, auf einen Ölunfall angemessen zu reagieren. Damit riskiert der Gaslieferant eine verheerende Umweltverschmutzung.

Gazprom erhielt wohl auch deshalb mit Abstand die meisten Stimmen, weil im vergangenen September bei der Erstürmung einer Bohrinsel des Konzerns in der Barentssee das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise von der russischen Küstenwache aufgebracht wurde. Die Crew des Schiffs wurde festgenommen und kurz darauf wurde gegen die Arctic 30 eine zweimonatige Untersuchungshaft angeordnet. Die 28 Aktivisten und zwei Journalisten aus 18 Ländern wurden zunächst wegen “bandenmäßiger Piraterie” und schließlich wegen “Rowdytums” angeklagt. Ihnen drohten mehrjährige Haftstrafen. Die 30-köpfige Besatzung kam erst nach drei Monaten wieder frei.

Der US-Konzern GAP wurde von der Jury, einer ausgewählten Gruppe aus Wirtschaftsethikern und Menschenrechtsexperten, nominiert, da er sich strikt gegen Reformen bei der Textilherstellung in Bangladesch sträube. Auch nach dem Einsturz einer Textilfabrik im vergangenen Mai mit über 1.000 Toten weigert sich das Unternehmen, den “Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh” zu unterzeichnen, und entzieht sich damit der Verantwortung über die Sicherheit in Wertschöpfungsketten.

Ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt
Nominiert waren außerdem Eskom, FIFA, Glencore Xsastra, HSBC, Marine Harvest und Syngenta/Bayer/BASF. Alle Nominierten verfolgen rücksichtslose und verantwortungslose Geschäftspraktiken, die Umwelt und Menschenleben gefährden. Die eingehenden Vorschläge wurden überprüft und vom Institut für Wirtschaftsethik (IWE) der Universität St. Gallen begutachtet. Die Negativ –Auszeichnung soll auf Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten aufmerksam machen und somit für mehr soziale und ökologische Gerechtigkeit sorgen.

14.
Januar

Wähle das unseriöseste Unternehmen!

Jetzt das übelste Unternehmen 2014 wählen.

Ob ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Umweltsünden, absichtliche Fehlinformation oder andere Menschenrechts-verletzungen: Im Vorfeld des World Economic Forum (WEF) werden die verantwortungslosesten Unternehmen des Jahres öffentlich angeprangert. Diese Firmen spüren den Druck der Zivilgesellschaft: Die renommierten Schmähpreise – die Public Eye Awards – stellen die Konzernskandale ins internationale Scheinwerferlicht und verhelfen so NGO-Kampagnen auf der ganzen Welt zu mehr Gehör.

Die Public Eye Awards wollen zum übergeordneten Ziel der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit beitragen und die Notwendigkeit von wirksamen und rechtlich verbindlichen Massnahmen auf nationaler wie auch internationaler Ebene aufzeigen. Unternehmen sollen in ihrem Sitzstaat für ihre Vergehen zur Verantwortung gezogen werden können – egal, wo sich diese zugetragen haben. Unternehmensverantwortung jetzt!

Die Bekanntgabe der Gewinner der beiden Schmähpreise findet an der Pressekonferenz vom 23. Januar 2014 während des Jahrestreffens des WEF statt und kann über Twitter live mitverfolgt werden.

30.
Dezember

Ein großes Dankeschön von den Arctic 30

20.
Dezember

Stoppt den Ökozid – Unterschriften für Mutter Erde

Die Erde ist unsere Heimat. Sie fällt dem Wunsch nach Wohlstand zum Opfer, sie leidet unter dem rücksichtslosen Wirtschaftssystem. Firmen wie Gazprom und Shell haben offiziell das Recht, ganze Ökosysteme zu gefährden. Unser Planet kann sich erneuern – aber seine Kapazitäten sind erschöpft. Jetzt kann sich jeder ganz einfach dafür einsetzen, dass Umweltsünder offiziell bestraft werden.

Vor einem Jahr entschied die britische Anwältin Polly Higgins, sich eine Auszeit zu nehmen. Sie fand, es sei nun die Natur, die eine Vertreterin ihrer Rechte benötige. Higgins gelangte zur Überzeugung, dass dem naturzerstörenden Wirtschaftssystem mit einer bestimmten Maßnahme begegnet werden kann: Ökozid muss als Verbrechen gelten.

Ökozid als fünftes Verbrechen

Polly Higgins‘ Idee bezog sich zunächst auf die UN und erhielt den Namen „Wish-20-Initiative“. 2000 verabschiedete die UN das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs, das die vier schlimmsten Verbrechen auf internationaler Ebene verhandelt: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression. Das erklärte Ziel der Initiative ist es, Ökozid zum fünften Verbrechen zu machen.

Auf EU-Ebene hat sich die Bürgerinitiative „EndEcocide“ gebildet. Sie zielt darauf ab, eine neue Direktive der EU zu etablieren, die “weitreichenden Schaden an der Natur, die Zerstörung oder den Verlust eines Ökosystems eines bestimmten Territoriums” ächtet. Neu an diesem Gesetz wären Haftstrafen für Verantwortliche, die persönlich haftbar wären.

Umweltsünden sind für die Wirtschaft Geldsache

Wenn jemand bei einem Projekt bemängle, es hätte zerstörerische Folgen für die Natur, so lautet es im Promo-Video der „EndEcocide“-Initiative, „dann ist die einzige Frage, die die Entscheidungsträger interessiert, ‚was kostet uns das? ‘“ Wenn die Finanzen stimmen, ist ein Verbrechen an der Natur also hinnehmbar.

Und da greift Higgins‘ Idee: „Es geht nicht mehr um Geldstrafen, die diese Unternehmen locker wegstecken“, heißt es im Clip, „Wir fordern Haftstrafen für Entscheidungsträger, die Verbrechen an der Natur begehen. Dann stellt sich nämlich nicht mehr Frage, ob sich das Projekt noch rechnet, sondern: ‚Ist es dieses Projekt wert, dass ich dafür ins Gefängnis gehe?‘“

Simpel und logisch: Durch die Anerkennung von Ökozid als Verbrechen im Sinne des Römischen Statuts würde dem Egoismus und der Ignoranz von wirtschaftlichen Führungskräften mit einer Freiheitsstrafe begegnet.

Im EU-Parlament sitzen bereits Unterstützer

„EndEcocide“ hat auf EU-Ebene eine Menge Unterstützer um sich geschart. Zu den erklärten Befürwortern gehören einige Mitglieder des EU-Parlaments, unter anderem auch Jo Leinen aus Deutschland. Die Organisatoren, die sich um die Verbreitung der Idee kümmern, engagieren sich allesamt freiwillig für „EndEcocide“. Sie bemühen sich nicht um Gelder, nur um eure Unterschriften. Es ist eine Petition für die Zukunft unseres Planeten. Erreicht die Initiative bis zum 21. Januar 2014 eine Million Unterschriften, muss sich die EU mit Ökozid als schwerem Verbrechen auseinandersetzen.

In einer Welt, in der Umweltschützer für ihren friedlichen Protest gegen naturfeindliche Unterfangen eingesperrt werden können, muss ein Gesetz her, das die wahren Übeltäter hinter Gitter bringen kann.

12.
Dezember

PR-Öldusche für Shell

Gewitzte Aktion vom “peng! collective” bei einem von Shell gesponsorten ScienceSlam gestern abend in Berlin. Die als Jungwissenschaftler getarnten peng!-Aktivisten sollten eigentlich eine Maschine zur Schadstoff-Abscheidung vorstellen. Stattdessen erwies sich ihr Wettbewerbsbeitrag als ölspuckende Furie. Die Aktivisten protestierten damit gegen rücksichtslose Öl-Förderprojekte von Shell – unter anderem in der Arktis.